post by Matthias Rädle
Vom 3. bis 5. September 2025 fand im Crowne Plaza Hotel in Glasgow die 25. Ausgabe der APACT – Advances in Process Analytics and Control Technologies statt. Die Konferenz gilt als eine der führenden Plattformen für Entwicklungen in Prozessanalytik, Steuerungstechnologien, Digitalisierung und KI in der Verfahrenstechnik in Europa. Mit sechs wissenschaftlichen Poster-und Vortragsbeiträgen war die deutsche Beteiligung– eine der stärksten Delegationen vor Ort. Die großen englischen Universitäten meldeten selten mehr als nur einen Beitrag.
Im Fokus unserer Beiträge standen spektroskopische Messtechnik, Machine Learning, digitale Zwillinge und KI-gestützte Bilderkennung. Besonders hervorstach der Beitrag von Björn van Marwick, der für seine Arbeit zur Materialerkennung mit Mittelinfrarot-Spektroskopie den 1. Posterpreis der Konferenz gewann. Sein System ermöglicht die selektive Unterscheidung kritischer Materialien wie PVC über charakteristische MIR-Wellenlängen – mit hochauflösender Bildgebung und Echtzeit-Separation per Luftdüsen. Eine praxisnahe Lösung mit enormem Potenzial für das Recycling und die Prozessindustrie.
Auch die weiteren Beiträge überzeugten mit Vielfalt und Innovationskraft: Felix Wühler präsentierte eine KI-basierte Inline-Bildanalyse, die mit einem YOLO-v11-Modell Fäulnis, Schnittschäden und Fremdkörper in der Zuckerrübenverarbeitung automatisch erkennt und in eine dynamische Datenbank einspeist – ein starkes Tool zur Effizienz- und Qualitätssteigerung. Joel Lehmann kombinierte ein selbstentwickeltes Near-Infrared-Photometer mit einem digitalen Zwilling, um Feuchte- und Fließeigenschaften in Fluidbetten in Echtzeit zu überwachen – ein wichtiger Schritt für optimierte Lebensmittelprozesse und Energieeinsparung.
Erik Spoor widmete sich der Herausforderung, Raman-Signale in Emulsionen trotz starker Lichtstreuung präzise auszuwerten. Durch die Korrektur mittels separater Streulichtmessung konnte eine zuverlässige Konzentrationsbestimmung erreicht werden – ein vielversprechender Ansatz für Prozesskontrolle in komplexen Medien, die eben nicht nur aus Fluiden bestehen, sondern aus mehrphasigen Stoffsystemen wie Emulsionen und Suspensionen. Ergänzend zeigte Richard Stoy, wie die Kombination von Laserstrahlprofilierung und Autofokus-Algorithmen die Messqualität bei strukturreichen oder empfindlichen Proben deutlich verbessern kann – beispielhaft demonstriert an künstlicher Haut.
Auch die Strömungsanalyse in Filmflüssen wurde neu gedacht: Sebastian Sold stellte mit E-PSV (Extended Particle Streak Velocimetry) eine Methodenkombination aus Partikelverfolgung und -streifen vor, die selbst in Bereichen mit stark variierender Fließgeschwindigkeit exakte Ergebnisse liefert – ideal für die Modellvalidierung in CFD-Simulationen und die Optimierung energieintensiver Prozesse.
Alle Beiträge hatten eines gemeinsam: den klaren Bezug zu praxisrelevanten Herausforderungen und den Anspruch, mit innovativen optischen und datengetriebenen Methoden konkrete Fortschritte in Industrie und Forschung zu ermöglichen. Die Rückmeldungen aus dem internationalen Fachpublikum waren durchweg positiv – nicht nur wegen des Posterpreises, sondern auch wegen der fachlichen Tiefe und Breite der präsentierten Themen.
Den Schwerpunkt des AKPAT-Teams bildeten dieses Jahr Beiträge aus dem Mannheimer Forschungs- und Transferzentrum CeMOS – bestehend aus Björn van Marwick, Felix Wühler, Erik Spoor, Joel Lehmann, Sebastian Sold und Richard Stoy. Es hat in Glasgow eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie anwendungsorientierte Forschung mit wissenschaftlicher Exzellenz kombiniert werden kann. Die Teilnahme an der APACT 25 war nicht nur eine große Ehre, sondern auch ein bedeutender Schritt für die internationale Vernetzung und Sichtbarkeit.